Kanada

Biker Infos

Allgemeines:

Kanada ist gemessen an der Fläche nach Russland das zweitgrösste Land der Erde (ca. 28 mal so gross wie Deutschland bzw. fast so gross wie Europa) und liegt zwischen dem Atlantik im Osten und dem Pazifik im Westen. Von West nach Ost dehnt sich das Land über 5500 km, von Nord nach Süd über 4600 km. Die einzige Landgrenze ist jene zur USA im Süden und Nordwesten des Landes. Die Gesamtlänge der Grenze zwischen Kanada und den USA beträgt 8890 km. Das Land besitzt zwei Amtssprachen, nämlich Englisch und Französisch. Die Gebirgszüge der Coast Range und der Rocky Mountains dominieren das westliche Kanada. Sie verlaufen in Nord-Süd-Richtung durch Yukon und Britisch-Columbia. Die höchsten kanadischen Gebirgsregionen liegen im Westen mit den Rocky Mountains – höchster Berg ist der 5959 Meter hohe Mount Logan im Yukon Territorium. Der wichtigste Fluss Kanadas ist der 3058 Kilometer lange Sankt-Lorenz-Strom. Er dient als Wasserstrasse zwischen den Großen Seen und dem Atlantik. Kanada ist generell ein überaus seenreiches Land. 7,6 % seiner Landmasse sind mit insgesamt rund zwei Millionen Seen bedeckt. 563 Seen sind größer als 100 Quadratkilometer.
British Columbia, wo unsere Tour groesstenteils stattfand, ist nach Quebec und Ontario die drittgroesste Provinz Kanadas. Die Provinz weist fast 12000 Inseln aus. Die groesste davon, Vancouver Island, ist mit einer Laenge von ca. 450 km bzw. 100 km Breite, ebenfalls ein sehr empfehlenswertes Reiseziel.

Klima:
Kanadas Klima ist durch die kontinentale Lage in arktische und gemäßigte Zonen unterteilt. Der größte Teil des Landes hat ausgeprägte und trocken-heiße Sommer und sehr kalte aber meistens sonnige Winter. Diese Zeiten dauern mindestens fünf Monate. Im Sommer trifft man häufig in den südlichen Regionen Kanadas Temperaturen bis zu +35° Celsius bedingt durch die Warmluftfronten aus dem Golf von Mexiko an. In den nördlichen Teilen des Landes liegen die Sommertemperaturen jedoch tagsüber bei durchschnittlich +15°. Diese können nachts bis unter den Gefrierpunkt absinken.
Die Westkueste Kanadas gilt als relativ regenreich, das Binnenland hingegen kann im Sommer sehr heiss werden. Besonders in den wuestenaehnlichen Gebieten der Region Okanagan steigen die Temperaturen im Sommer durchaus ueber 30 Grad und Regen fallen nur geringe Mengen.
Wahrend unserer Tour in Kanada von Mitte Mai bis Anfangs Juli erlebten wir zu Beginn Temperaturen von 10 bis 15 Grad. Ueber 25 Grad stieg das Termometer jedoch selten. Sehr kalte Naechte erlebten wir nur in den Rocky Mountains bei Lake Louis. Doch obwohl wir ueberall hoerten, dass das Wetter in diesem Fruehling aussergewoehnlich schlecht (nass und kalt) sei, hatten wir auf unserer Tour sehr wenige Regentage zu verzeichnen. Ein Thema jedoch war der staendige Wind, welcher wie immer aus der falschen Richtung weht. Bei uns war er besonders auf der Rueckreise Richtung Vancouver (westwaerts) ein unliebsames Thema. Wie wir hoerten weht er denn auch haeufig von Nord- Nordwest.

Wildlife:
Auf unserer Tour begegneten wir ca. 15 Schwarzbaeren und 1 Grizzly (mit Jungem), die sich allesamt am oder naehe der Strasse aufhielten. Desweiteren kreuzten 1 Elch, mehrere Hirscharten, Fuechse, moeglicherweise ein Puma, Dickhornschafe, Seeloewen, viele Streifenhoernchen, Murmeltiere, Waschbaeren, Adler und viele andere Vogelarten unsere Wege. Von Muecken wurden wir nur an etwa 2 bis 3 Abenden uebelst belaestigt und Wale entdeckten wir leider keine. Weiter gibt es in Kanada noch Luchse, Stachelschweine, Biber und vieles mehr.
Achtung Baeren am Strassenrand! Auf Anraten eines Kanadischen Bikers haben wir ein lautes Air-Horn (wenn sich ein Baer am Strassenrand nicht wegbewegen moechte...) und natuerlich einen Baerenspray besorgt, welchen wir beim Fahren und auch im Zelt drin fast griffbereit hatten. Baeren-Spray wie auch das Air Horn kamen jedoch (gluecklicherweise) nie zum Einsatz. Dagegen gab es Momente, als wir auf dem Seitenstreifen aufgrund der direkten Naehe zum Gebuesch regelmaessig klingelten oder laut redeten, um den Baeren nicht zu ueberraschen.

Radfahren:
Besonders voll auf Kanadas Strassen wird es (angeblich) in den Monaten Juli und August, dann haben die Amerikaner und die Kanadier selbst Ferien. Wir erlebten im Norden Vancouver Islands, auf dem Yellowhead Highway und auch auf dem Icefields Parkway sehr viele Tage mit kaum Verkehr. Der Transcanada Highway gilt zwar als viel befahren, zwischen Lake Louis und Sicamous konnten wir dies jedoch nicht bestaetigen. In ganz British Columbia hat es meist breite Seitenstreifen, wo es sich als Fahrradfahrer gut radeln laesst, auch der Belag ist meistens sehr gut. Abseits der Hauptstrassen trifft man gegenwaertig jedoch fast nur auf Schotterstrassen, was uns teilweise die Spontanitaet der Routenwahl nahm. An vielen Orten in B.C., vor allem aber im Sueden zwischen Lake Louis und Vancouver laufen mehrere Strassenprojekte, welche zum Ausbau der Routen auf 2 bis 3 Spuren fuehren (Multi-Lane Projects). Auf den Strassen Kanadas fahren mal mehr, mal weniger Trucks. Aufgrund ihrer Laenge sind sie von Natur aus kein Freund von uns Fahrradfahrern. Wir machten jedoch keine negativen Erfahrungen bezogen auf Trucks.

Camping:
Es gibt ein sehr dichtes Netz an staatlichen und kommerziellen Campgrounds in den National- Provincial- und Regional-Parks. Die meisten Plätze gibt es im Westen, in British Columbia und Alberta. Sie sind meistens schön angelegt und bieten Tische, Grillrost und Holz. Teilweise gibt es keine Campverwaltung (besonders in der Vorsaison), dann wirft man das Geld einfach in eine Box - Vertrauen wird gross geschrieben. Die Preise in den sehr einfachen staatlichen Provincial Parks liegen bei 16 bis 20 Dollars, auf einem privaten KOA Campingplatz (hoeherer Komfort) zahlten wir 36 Dollars, bzw. in anderen privaten Campings zwischen 20 und 30 Dollars. Etwas ueberrascht waren wir, dass auch noch im Juni (Hochsaison ab Juli) einige Campingplaetze geschlossen waren und dass es fast immer mehr Campingplaetze gibt, als unsere Karten und auch die Leute vom Visitor Center aussagten. Wasser gibt es auf allen Campingplaetzen, jedoch ist es nicht immer (nur fast immer) trinkbar. Wir haben das Wasser deshalb wenn noetig entkeimt oder aufgekocht.

Achtung Bären:
Lassen Sie auf bei ihrem Zelt / Campingplatz niemals Essensreste liegen und kochen sie beim wilden campen möglichst ca 100 Meter vom Standort des Zeltes entfernt, denn Bären haben eine gute Nase. Hängen Sie Essensvorräte an eine hoch angebrachte Schnur zwischen zwei Bäume. In den groesseren Baerengebieten gibt es auf den Campingplätzen zudem immer bärensichere Mülleimer.
Obwohl es in ganz British Columbia (theoretisch) Baeren gibt, erkundigten wir uns jeweils beim Campground-Besitzer ueber seine Erfahrungen und Beobachtungen. Je nach Antwort liessen wir unser Essen im Zelt drinnen. Eine Variante ist auch eine Tasche mit Essen (und anderen riechenden Sachen) in den Toiletten oder anderem geschlossenen Raum ueber Nacht zu deponieren (nach Ruecksprache mit Campground Besitzer natuerlich).

Kanada aus meiner Sicht:
Sehr zuvorkommende Menschen, saubere Strassen und Landschaften fallen sofort ins Auge. Uns beeindruckten zudem die Vielseitigkeit dieses Landes bzw. auf unserer Route. Die maechtigen Berge der Rocky Mountains und anderer Gebirge, knallblaue oder smaragdgruene Fluesse und Seen, Karge Landschaften wie die Wueste im Sueden und natuerlich die Pacific Kueste im Westen mit den fjordaenlichen Landschaften und Straenden. Riesige Waelder und natuerlich diese Tierwelt, einfach einzigartig und auch in dieser Groesse nicht mit Europa zu vergleichen. Wir erlebten tolle (touristische) Ortschaften, aber auch sehr einsame Routen und mit dem Icefields Parkway eine Traumstrecke ueber 230 km.

Anforderungen:
Vor allem der Westen Kanadas ist recht gebirgig. Es gilt immer wieder Paesse und Huegel zu ueberwinden. Der Wind blaest sehr haeufig und es gibt Routen, wo man aufgrund der einsamen Landschaft auch mal 2 Tage ohne Einkaufsmoeglichkeiten leben muss. Tja, und man sollte Wildtiere moegen....

Persönliche Bewertung:
Wenn man ueber 3000 km fast staendig in einer solch tollen Landschaft fahren kann, dann ist es einfach wunderbar!