Albanien

Biker Infos

Allgemeines:
Albanien liegt in Südosteuropa und grenzt im Norden an Montenegro und den Kosovo, im Osten an Mazedonien sowie im Süden an Griechenland. Im Westen wird das Land auf 362 km durch das Meer (Adria, Ionisches Meer) begrenzt. Mehr als zwei Drittel des Landes werden von Bergland und Hochgebirgsregionen eingenommen. Da nur die Täler, das Hügelland und Teile der Küsteebene eine dichtere menschliche Besiedlung ermöglichen, sind andere Teile des Landes sehr spärlich bewohnt. Im Norden des Landes befinden sich die Albanischen Alpen, die zu den Dinariden gehören. Höchster Berg Albaniens ist mit 2764m der Korab, nordöstlich von Peshkopia direkt an der Grenze zu Mazedonien. Mit 282 km Länge ist der Fluss Drin der länges des Landes, wobei der "Schwarze Drin" aus dem Ohridsee entspringt und sich schliesslich bei der Stadt Kukes mit dem "Weissen Drin" vereint. In Albanien gibt es 14 (!) Nationalparks; die grössten sind Prespa, Shebenik-Jablanica und der Dajti, touristisch recht beliebt ist auch der Thethi-Nationalpark in Nordalbanien.
Geschichtlich wurde Albanien im Jahre 1944 zu einer kommunistischen Diktatur wo 1967 auch ein totales Religionsverbot erlassen wurde. In den Jahren darauf folgte eine zunehmende Selbstisolation des Landes. Erst im Jahre 1990 wurde das kommunistische Regime gestürzt und im Jahre 1991 fanden die ersten freien Wahlen im Lande statt.

Sprache:
Amstsprache ist Albanisch. Während unserer Tour stiessen wir immer wieder an Grenzen der Kommunikation. Unsere Hoffnung, dass wir mit unseren Englisch, Französisch, Deutsch und etwas Italienisch-Kenntnissen vermehrt mit den Albanern ins Gespräch kommen würden, erfüllte sich leider nicht. Während Kinder zumindest einzelne Wörter oder Sätze in Englisch wussten, trafen wir nur ganz selten auf Erwachsene, welche sich mit uns unterhalten konnten. In den Bergregionen wird fast ausschliesslich albanisch gesprochen.

Klima /Wetter:
In Albanien herrscht ein subtropisch-mediterranes Klima. Während unserer Tour im Juni 2011 erlebten wir oft (meist) kurze Regenschauer, was dann zu massiv schlechteren Strassenverhältnissen führt (Details siehe unter "Radfahren")

Währung / Preisniveau:
Das Land ist sehr arm und die Einfuhr von Albanischem Lek aus dem Ausland ist verboten. Aufgrund des sehr tiefen Preisniveaus sollte man immer ganz kleine Noten bei sich haben, denn Rückgeld auf grössere Beträge sind kaum möglich. Für ein Menü bestehend aus 2 Pizzas, 1 grossen Salat (für 2 Pers) und 2 Colas bezahlten wir 950 Lek (= ca. CHF 8.00), Hotelübernachtungen (Doppelzimmer) kosteten zwischen CHF 21.00 und CHF 25.00.

Radfahren in Albanien:
"Abwechslungsreich" ist wohl das richtige Wort für die Strassenqualität in Albanien. Egal ob wir uns auf einer Fernverkehrsstrasse oder Nebenstrasse befanden, sicher war nur dass sich der jetzige Belag unter den Rädern schon bald wieder ändern würde und so ist zwischen gutem (neuen) Asphalt bis hin zu sehr schlechtem Schotterbelag jede Konstellation möglich. Richtig anspruchsvoll wirds aber immer dann, wenn Regen fällt (oder fiel), denn dann ändert sich jede nicht asphaltierte Strasse in eine rutschige und häufig auch lehmige "Brühe", wo jedes Fahrzeug versucht, slalomartig die Wasserlachen umfahrend die geeignetste Spur zu finden.

Wer sich für eine Fahrradtour in Albanien interessiert sollte wissen, dass...
- in den landschaftlich bevorzugten Bergregionen mit Schotterpisten anstelle von Strassen gerechnet werden muss, so z.B. die Strecke Maliq-Gramsh und Berat-Kelcyre und auch die Qualität des Schotters sehr variiert. Spätestens wenn der Regen kommt endet der Spass wohl definitiv. Ein "robustes" Fahrrad mit ausnahmsweise etwas breiteren Reifen kann deshalb nicht schaden...
- auch ausserhalb der Bergregionen immer wieder Schotterpisten mit sandig-lehmigem Untergrund folgen können
- man aufgrund der genannten Strassenzustände, welche of nur ein Schleichen zulassen, nicht mit der gewohnten Tagesweite rechnen kann
- v.a. die Dörfer und kleineren Städte oft nicht beschildert sind
- seit dem Erstellen der gekauften Albanien-Strassenkarte ziemlich sicher bereits wieder neue Strassen mit neuen Verbindungen entstanden sind
- wir keine negativen Erfahrungen bezüglich Ueberholmannöver des motorisierten Verkehrs machten (das Hupen kündigt ein Ueberholmannöver an, teilweise hupen auch entgegenkommende Fahrzeuge) und gerade in den Bergregionen nur geringes Verkehrsaufkommen erlebten.

Camping / Hotels:
Campingplätze entdeckten wir im Landesinnern (noch) keine. Wild campen ist trotz der vielen Natur nicht überall möglich, da in Albanien sehr viele Flächen/Felder zur Selbstversorgung bepflanzt werden. (Wild-) Campingmöglichkeiten gab es z.B. wenige km westlich von Maliq oder auch zwischen Tepelene und Kelcyre. Da wir vom nassen Strassenbelag jedoch häufig etwas verdreckt waren und das Preisniveau so gering ist, gönnten wir uns in Albanien ausnahmsweise mehrmals ein Hotelzimmer.

Bei der Routenplanung zu berücksichtigen:
- Maliq - Gramsh (diese ca. 65 km lange Schotterpiste bietet alles, was eine eine Albanien-Tour ausmacht, schwierige Strassenverhältnisse inklusive)
- Tepelene (oder Berat) - Permet - Erseke

Albanien aus meiner Sicht:
Albanien bietet unberührte Natur und abwechslungsreiche Landschaften. Doch dies allein führt wohl noch keinen Biker hierher. Wer Albanien per Fahrrad erkunden möchte, erhofft sich etwas Aussergewöhnliches und auf irgendeine Weise Abenteuer zu erleben. Für uns war dieses "Abenteuer" die Route zwischen Maliq und Gramsh, wo wir für über 60km inmitten einsamer wunderschöner Landschaft völlig unerwartet auf einer Schotterpiste fahren mussten. Esel, Pferdewagen, abgelegenste Bergdörfer und Menschen (und viele Kinder) die staunen und sich freuen, dass jemand ihre abgelegenen Dörfer und ihr Land besuchen. Eine Albanien-Tour lohnt sich, denn was man hier an Lebensweise & Infrastruktur zu sehen bekommt, gibts im "moderneren" Europa nicht mehr.

Anforderungen:
Wer eine Fahrradtour in Albanien plant, muss die teilweise sehr schlechten Strassenzustände in Kauf nehmen.

Persönliche Bewertung:
Albanien ist ein finanziell armes, aber landschaftlich und kulturell reiches Land, welches mich sehr beeindruckt hat und durchaus einen "Hauch" von Abenteuer verbreitete.